Hier informieren wir Sie über aktuelle Ereignisse, Aktionen oder Aktualisierungen auf unseren Webseiten.


Hilfe für die Wiesenweihe

Helfer gesucht!

Wie die meisten der in der offenen Feldlandschaft lebenden Vögel ist auch die am Boden brütende Wiesenweihe Circus pygargus ein Opfer der industrialisierten Agrarwirtschaft. Sie ist mit ca. 48 cm Körpergröße und 120 cm Flügelspannweite die kleinste unter den bei uns vorkommenden vier Arten dieser zu den Habichtsartigen gezählten Vogelgattung. Anders als die ähnlich aussehende, etwas größere und mehr von feuchten Habitaten abhängige, Kornweihe Circus pygargus kann sie im trockenen Agrarland bestehen. Infolge der Felderbewirtschaftung kommt es aber häufig zu Verlusten. Ganz besonders betroffen sind da die in Getreide- oder Grünlandflächen am Boden errichteten Nester, Gelege und Jungvögel. Die Ergebnisse der in den letzten Jahren in verschiedenen Gebieten von Vogelschützern durchgeführten Maßnahmen zur Sicherung der Gelege und Küken weisen aus, dass zumindest lokal und regional ein guter Schutz und Hilfe möglich sind und nicht nur das örtliche Aussterben der Art abgewendet werden kann, sondern dass sogar Bestandszunahmen herbeigeführt werden können.

Aufbau eines Schutzgatters, © Helmut Brücher

Auch im Bereich des brandenburgischen Fläming bis hin nach Sachsen-Anhalt wird seit geraumer Zeit ein solches Wiesenweihen-Schutzprojekt durchgeführt, siehe www.wiesenweihen-brandenburg.de. Aber die aufwändigen und zeitraubenden Schutzmaßnahmen bedürfen dringend der Hilfe. Da haben wir uns nicht verschlossen, und lassen mit uns eigens dafür zugehenden Spenden dem Projekt eine dringend benötigte Unterstützung zukommen.

Besonders benötigt werden auch freiwillige Helfer, die vor allem bei den unerlässlichen Inspektionen, Beobachtungen und Tätigkeiten im weitläufigen Gelände ehrenamtlich mitwirken. Nötig sind gute Beobachtungsgabe, Geländetauglichkeit und Mobilität - möglichst mit dem Fahrrad! Ernsthaft an einer Projektmitarbeit Interessierte können sich direkt wenden an den verantwortlichen Kollegen:

Helmut Brücher
Hauptstr. 11
14913 Rohrbeck
Fon priv.: +49 (0) 3372-4424876
Fax: +49 (0) 3372-4424875
Mobile : +49 (0) 172-3140992
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.wiesenweihen-brandenburg.de

Dr. Eberhard Schneider, 02.05.22


Kurs Klimakatastrophe

Der Weltklimarat warnt vor verheerenden, irreversiblen Folgen unseres Krieges gegen die Natur und das Klima

Jürgen Talligs wichtige Überlegungen wollen wir weiterempfehlen.

Dr. Eberhard Schneider, 22.04.22

Jürgen Tallig: „Kurs Klimakatastrophe“ aus DER RABE RALF, April/Mai 2022 (PDF-Dokument)


Windkraftanlagen kontra Fledermäuse

Bundesverband für Fledermauskunde Deutschland übt qualifizierte Kritik an der Energiepolitik

Großer Abendsegler – die Fledermausart, die als Lang­strecken­wanderer neben der Rauhaut­fledermaus besonders hohe Verluste erfahrt und von der Windkraft stark betroffen ist.

Das am 04.04.2022 von der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz Steffi Lemke und dem Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz Dr. Robert Habeck vorgestellte Eckpunktepapier beschreibt die strategische Konzeption des BMUV und BMWK zum beschleunigten Ausbau der Windkraft im Onshore Bereich. Der Zusammenschluss bundesweiter Akteur:innen in Fledermauskunde und Fledermausschutz, aus Wissenschaft und Fachausschüssen zeigt sich überrascht, dass die Artengruppe Fledermäuse im Papier nur am Rande erwähnt wird, obschon Fledermäuse massiv vom Windenergieausbau betroffen sind und die Regelungen im Papier diese Artengruppe auch direkt beeinflussen. Sie tragen die Sorge, dass die Artengruppe der Fledermäuse künftig nicht gebührend berücksichtigt wird und nehmen wie folgt zu den Ausführungen Stellung.

„Positionspapier naturverträglicher Ausbau der Windenergienutzung“ (PDF-Dokument)


Ein Kommentar: Die unheilvolle Büchse der Pandora

„Naturschutzflächen sind nur Reserveflächen für besonderen Bedarf“

Brüssel, 23.03.2022: Entscheidung der EU-Kommission zum Anbau von Feldfrüchten auf ökologischen Vorrangflächen.

Es war ja nicht anders zu erwarten! Der von einem machtbesessenen, gewalttätigen Monster und seinen, ebenso monströsen, rücksichtslos mordenden Schergen und Vasallen betriebene Krieg gegen die ukrainische Bevölkerung bringt nicht nur akutes Leid und Zerstörung über die Ukraine. Mit massiven Konsequenzen und Verwerfungen aus den kriegerischen Verbrechen wird Europa und die gesamte Welt überzogen. Unter diesem Eindruck hat wohl die, auf mich eher beschämend hilflos und feige tatenlos wirkende, EU-Kommission den Naturschutz kurzsichtig auf dem altbekannten Altar der Wirtschaftsinteressen geopfert, die Ziele des Europäischen „Green Deals“ sind hinfällig geworden.

Mit der, ohne wahre Not getroffenen, Entscheidung, auf den bisher aus der intensiven Bewirtschaftung genommenen und vorrangig den ökologischen Erfordernissen vorbehaltenen Flächen wieder eine agrarindustrielle Nutzung zuzulassen, hat die Kommission eine mehrfache „Rolle rückwärts“ hingelegt. Alle bisherigen Naturschutzziele und die neu erfundene Gemeinsam Agrarpolitik werden damit Makulatur. Einen willkommenen Anlass für diese rückgratlose Haltung , die bestenfalls populistisch die Sorge um die Ernährung der EU-Bevölkerung vortäuscht, bieten die kriegerischen Ereignisse um die „Kornkammer Europas“, in deren Folge sicher ein Rückgang der dortigen Weizenernte und Rückgang der Exporte unabwendbar sein wird.

Demgegenüber haben aber bis vor wenigen Tagen sogar die EU-Verlautbarungen ausdrücklich betont, dass die EU-weite Getreideerzeugung die Versorgung aller EU-Bürger gewährleistet, dass man in der Weizenerzeugung autark ist. Die Ernährungssicherheit für die Bürger der EU ist jedenfalls gegeben. So erscheint mir die, für den Natur- und Artenschutz verheerende, fatale Entscheidung als ein einziger Kniefall vor den Agrarinteressen. Ohnehin hatte man in der Kommission sich ja längst nicht aus der seit jeher bestehenden, unseligen Umklammerung der Interessen der Agrarindustrie und ihr verbundener Lebensmittelindustrie gelöst. Aber nun hat das Imperium der Lobby zugeschlagen, unter schamlosem Missbrauch der Situation und unter Missachtung des Leids und der Not der ukrainischen Bevölkerung. Die bei der Agrarlobby ungeliebten – eher wohl erhassten – Naturschutzflächen mit ökologischem Vorrang werden kassiert. Der dramatisch Verlust an Biodiversität, die Verdrängung von Pflanzen- und Tierarten erfahren einen neuen verheerenden Schub. Das wird noch unterstützt und verstärkt durch die Verschiebung des EU-Gesetzesvorhabens zur Verringerung des Pestizideinsatzes und die mit der „farm to fork Strategie“ einhergehende Renaturierung von Habitaten, die „ökologisch“ ausgerichtete „nachhaltige“ Bewirtschaftung wird hinfällig. Das Ganze wird schließlich zu einer neuen Runde in der Industrialisierung der in der EU-heimischen Landbewirtschaftung führen. Das „Höfesterben“ wird beschleunigt werden, kleine, wirklich „ökologisch“ arbeitende Betriebe werden dem neuen EU-geförderten unbarmherzig ruinösen Konkurrenzkampf zum Opfer fallen. Die jetzt einmal mehr so erfolgreiche Lobby der Agrar-und Lebensmittelindustrie wird jubeln!

Richtig ist natürlich, dass die zu erwartenden kriegsbedingten Einbußen in der Weizenernte der Ukraine zur Verringerung der Exporte in wirklich bedürftige Länder führen wird. Das sind insbesondere afrikanische Staaten, die man schon seit Jahren in die Abhängigkeit solcher Importe mit landesuntypischem Getreide gebracht hat. Statt die dortige Landwirtschaft mit Erzeugung heimischer gebietstypischer Produkte zu fördern.

Genau da sehe ich die Ziele der EU-Agrarlobby: Nämlich, unter skrupelloser Ausnutzung der geschwächten Marktposition der Ukraine, einen Teil der Importe der Drittländer zu vereinnahmen und das aus der Inanspruchnahme der EU-Naturschutzflächen, mit nachfolgender Ausweitung intensivster Agrarmethoden, zu erwartende zusätzliche Getreide künftig nach dorthin zu exportieren. Um selbst die Gewinne abzuschöpfen und der, irgendwann ja wieder exportfähig werdenden, Ukraine den bisherigen Markt abzujagen. Infamer kann man die, im ersten Schreck über den kriegerischen Überfall, der Ukraine versprochenen Hilfen wohl kaum handhaben und schamlos in EU-eigenen Nutzen umzudrehen. Zum Frommen der Kriegsgewinnler! Aber zu Lasten der ökologischen Funktionsfähigkeit heimischer Lebensräume und einer Vielzahl an Arten des Offenlandes. Dabei sind potentiellen zusätzlichen Erträge auf den landwirtschaftlichen Flächen in der EU – global gesehen- eher minimal. Die weitaus größere Bedeutung liegt in anderer Verwendung unserer landwirtschaftlichen Ressourcen. Denn weniger Flächen für die Erzeugung von Tierfutter- oder fragwürdigen Agrarkraftstoffen erbringen einen deutlich größeren Beitrag für die Sicherung unserer Ernährung.

„Business as usual“! - Alles beim Alten, und ich erinnere mich da an die Worte eines seinerzeitigen Beamten der hessischen Naturschutzverwaltung, dass Naturschutzflächen nur Reserveflächen für besonderen Bedarf seien. Dieser Geist wabert weiter, und so hat man rücksichtslos die „Büchse der Pandora“ wieder geöffnet, die neues Unheil für die Artenvielfalt der Feldlandschaften bringt.

Dr. Eberhard Schneider, 25.03.22


Neu erschienen im Aula -Verlag:

Kruckenberg/Kölzsch/Mooij/Bergmann

Das große Buch der Gänse

Von sozialen Wesen und rastlosen Wanderern
256 S., 219 farb. Abb., 33 Karten, geb.,16,5 x 23 cm
ISBN 978-3-89104-841-2
Best.-Nr.: 315-01220   Preis: 29,95 €

Gänse sind Boten am Himmel – im Frühling wie im Herbst kündigen ihre Rufe und Keilformationen den Wechsel der Jahreszeit an. Was aber macht die Gans zu so einem wundervollen Geschöpf? Ist es ihr soziales Wesen? Ihre Bereitschaft, gefährliche und kräftezehrende Wanderungen über Tausende von Kilometern auf sich zu nehmen? Ihre Anpassungsfähigkeit an den Lebensraum und den Menschen?

Die Autoren antworten auf diese Fragen mit verständlichen Texten, illustriert mit brillanten Fotos. Sie stellen von Blässgans über Graugans bis zur Ringelgans und Weißwangengans alle in Europa lebenden Gänsearten einschließlich der Hausgänse vor und informieren dabei auch über die Geschichte der Gänseforschung. Mit QR-Codes werden die Gänsestimmen hörbar und ihre Zugwege sichtbar gemacht. Das Buch eröffnet spannende Einblicke in das Leben und Verhalten dieser beeindruckenden Vögel und vermittelt zugleich das für ihren Schutz benötigte Wissen.

Kapitel u.a. zur Vom Zauber der Wildgänse, Geschichte der Gänseforschung, Kolguev - Insel der Gänse, Fang und Markierung, Populationsentwicklung früher und heute, Gänse und Klimawandel, Störungen, Jagd, Landwirtschaft, Schutz der Zwerggans, Wiederkehr der Graugans, Auch Gänse können krank werden u.v.m.

Dr. Eberhard Schneider, 21.03.2022


Klimawandel

Wie tiefgreifend die fortschreitende Erwärmung des Erdklimas wirkt, lässt sich auch an bereits erkannten Phänomenen aus der Vogelwelt erkennen. Vögel sind schon längst Indikatoren für den Funktionszustand des globalen Systems. Änderungen im Geschehen des Vogelzuges sind für zahlreiche Arten belegt. Nicht allein mit Blick auf die Wahl neuer Überwinterungsgebiete oder gar Erschließung neuer Areale auch als Brutgebiete. Da werden sich für die Zukunft erhebliche Anforderungen an die Vögel ergeben, denen sie in ihrem Anpassungsvermögen nachkommen müssen, oder aber erliegen werden! Dass Vögel sich anpassen, zeigen die jüngst veröffentlichten Ergebnisse US-amerikanischer Forscher. Deren Auswertung von langjährig an 77 Vogelarten eines noch intakten Gebiets im Amazonas-Regenwaldes gesammelten Messdaten ergab nicht nur eine Abnahme der Individuenzahlen; auch die Tiere selbst haben sich verändert. Anscheinend in Anpassung an die fortschreitende Erwärmung und insbesondere Trockenheit ergab sich eine Abnahme in der Körpermasse der Vögel um durchschnittlich 2% pro Jahr. Zugleich kam es aber zu Veränderungen in der Flügelgröße. Die Flügel wurden länger. Dadurch ist die Flügelbelastung reduziert und der Flug des Vogels wird energieeffizienter – um mehr fliegen zu können. Das zeigt uns, wie sehr sich die klimatischen Veränderungen sogar binnen weniger Jahrzehnte auf Organismen auswirken. Sehr bemerkenswerte, kritisch-richtungsweisende Gedanken zum bisherigen falschen Umgang mit dem uns allen drohenden Klimakollaps hat Jürgen TALLIG unlängst veröffentlicht in der Liga Libell 181, 17 -21. Mit seiner freundlichen Genehmigung können wir hier den Beitrag vollständig wiedergeben und zum Download empfehlen.

Kurs Klimakatastrophe, Jürgen Tallig (PDF-Dokument)

Dr. Eberhard Schneider, 12.11.21


Orange Day-Einsatz im elsässischen Lohr

Nachdem wir unlängst in der fast mörderischen en Konkurrenz um Grundstücke einmal mehr erfolgreich waren und ein mit einst angepflanzten Hybridpappeln bestocktes Waldrundstück im Elsass, nicht weit von Lützelstein (Le Petite Pierre), erworben haben, hat Frank Pluschke sich einmal mehr in der Habitatgestaltung eingesetzt. Gemeinsam mit 11 Helfern, von denen zwei sogar vom entfernten Odenwald aus angereist waren, hat er beim schon traditionellen „Orange day“ einen neuen Einsatz zur Lebensraumgestaltung durchgeführt. Dabei ging es darum, in der ökologisch und naturschutzfachlich wenig bedeutsamen Pappelplantage die nötige Waldumwandlung einzuleiten.

Zwar ist unser Ziel, auf allen bewaldeten Flächen im Eigentum des Vogelschutz-Komitees den „Prozessschutz“ zu realisieren. Wir überlassen, unter konsequentem Verzicht auf forstwirtschaftliche Maßnahmen und Eingriffe, die jeweilige Waldgesellschaft ganz ihrer natürlichen Entwicklung. Hier hatten wir uns aber zu einem die Waldentwicklung fördernden Eingreifen entschlossen, um dennötigen Umbau des Waldes herbeizuführen. Wir hatten uns für ein behutsames Vorgehen, ganz ohne etwa den Einsatz größerer forstlicher Maschinen, entschieden, um die Pflege- und Entwicklungsmaßnahme möglichst naturnah zu gestalten. Wie im natürlichen Prozess sollen die wenig wünschenswerten Pappelhybride Zug um Zug der Entwicklung einer standortheimischen zukunftsfähigen, Waldgesellschaft Platz machen.

Dazu wurden einzelne „Lichtlöcher“ in dem dichten Pappelbestand geschaffen, damit sich dort zügig am Boden eine Krautschicht entfalten kann und erste Baumkeimlinge heimischer Bäume und Sträucher aufwachsen, deren Samen vom Wind herbeigeweht oder von Tieren, u. a. Eichelhäher und anderen Vögeln, herangetragen wurden. Wesentlich kommt es uns darauf an, auch die Pappeln selbst möglichst lange zu erhalten und damit den in ihnen gespeicherten Kohlenstoff, der dann im Zuge der späteren allmählichen Verrottung und Zersetzung des Totholzes als CO2 frei wird.

Es wurde nicht der gesamte Bestand gefällt, es wurde wie bei einer Durchforstung lediglich ein Teil des Baumbestandes so behandelt, dass dort ein natürlicher Bewuchs sich alsbald entwickeln kann. Dazu wurden zahlreiche der Pappeln in der Rinde geringelt. So wird zwar deren Wachstum beendet; sie verbleiben aber, nachfolgend ohne Laubausbildung oder weiteres Wachstum, an ihrer Stelle und bieten als stehendes Totholz ein wichtiges Substrat und Habitat für Pilze, Insekten und Vögel.

Einzelne, vom Vorbesitzer dort schon früher angepflanzte Haselsträucher und Edelkastanien, die besonders zukunftsfähige Baumart, wurden natürlich belassen und lediglich freigestellt, damit sie fortan ohne die Unterdrückung durch die Hybridpappeln gut weiterwachsen können. Einzelne starkwüchsige Pappeln, die ja einen mehrjährigen Wachstumsvorsprung haben, bleiben erhalten. Sie sollen einmal starke Bäume bilden, in deren Krone mit kräftigen Ästen die waldbewohnenden Vögel vieler Arten Nistplätze finden, Spechte ihre Höhlen zimmern oder Kleiber, Baumläufer und Meisen an der Rinde mancherlei Insektennahrung picken können.

Es wird sich zeigen, ob künftiges weiteres Eingreifen dort geboten sein wird.

Vollständiger bebilderter Bericht als PDF-Dokument

Dr. Eberhard Schneider, 12.11.21


Neue Hoffnung für die Wildgänse

Zwerggänse, Foto: Dr. Kruckenberg

Unter dem Link: https://oberverwaltungsgericht.niedersachsen.de/aktuelles/presseinformationen/ganzjahrige-schonzeiten-fur-blass-und-saatganse-in-der-durchfuhrungsverordnung-zum-nds-jagdgesetz-rechtmassig-205020.html findet sich die nachfolgend wiedergegebene Information des Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht, Pressestelle:

"Ganzjährige Schonzeiten für Bläss- und Saatgänse in der Durchführungsverordnung zum Nds. Jagdgesetz rechtmäßig

Der 10. Senat des Niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts hat in mehreren Verfahren Normenkontrollanträge gegen die Festsetzung ganzjähriger Schonzeiten für Bläss- und Saatgänse in der Durchführungsverordnung zum Niedersächsischen Jagdgesetz abgelehnt (Az.: 10 KN 40/18, 10 KN 42/18, 10 KN 43/18 und 10 KN 44/18).

Das Niedersächsische Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz legte mit der angegriffenen Verordnung eine ganzjährige Schonzeit für Bläss- und Saatgänse fest, um bei der Jagdausübung eine Verwechselung der Blässgans mit der Zwerggans und der Tundrasaatgans mit der Waldsaatgans und damit Fehlabschüsse der jeweils in ihrem Bestand gefährdeten Zwerg- und Waldsaatgänse zu verhindern.

Gegen die Festsetzung der ganzjährigen Schonzeiten haben sich die Antragsteller, die Landwirte und Inhaber von Eigenjagdbezirken bzw. Jagdpächter sind, gewandt. Sie haben unter anderem geltend gemacht, dass die Festlegung ganzjähriger Schonzeiten nicht rechtmäßig sei, weil bei waidgerechter Jagdausübung Verwechselungen ausgeschlossen werden könnten, Bläss- und Saatgänse selbst in ihrem Bestand nicht gefährdet seien und diese Gänsearten erhebliche Schäden an landwirtschaftlichen Flächen verursachen würden.

Der Senat ist dem nicht gefolgt. Mit der Festlegung ganzjähriger Schonzeiten zum Schutz der in ihrem Bestand gefährdeten Zwerg- und Waldsaatgänse verfolge der Verordnungsgeber den legitimen Zweck, einen artenreichen Wildbestand zu erhalten. Im Bereich des Jagdrechts bestehe aufgrund der damit verbundenen übergeordneten Regelungszielen eine erhöhte Sozialbindung, so dass dem Verordnungsgeber ein weiter Beurteilungsspielraum zukomme. In dessen Rahmen habe er Schonzeiten als geeignet, erforderlich und angemessen ansehen können, um Fehlabschüsse aufgrund von Verwechselungen der sich in ihrem Erscheinungsbild stark ähnelnden Gänsearten zu verhindern. Die Antragsteller würden durch die ganzjährigen Schonzeiten auch nicht unverhältnismäßig belastet. Ihnen verblieben wesentliche Teile ihres Jagdausübungsrechts und Beeinträchtigungen der landwirtschaftlichen Nutzung durch freilebendes Wild seien in gewissem Umfang grundsätzlich hinzunehmen.

Die Revision zum Bundesverwaltungsgericht hat der Senat nicht zugelassen. Dagegen kann innerhalb eines Monats nach Zustellung des Urteils Beschwerde eingelegt werden, über die das Bundesverwaltungsgericht entscheidet."

Dr. Eberhard Schneider, 01.11.21


„Convention on Migratory Species (CMS)“

Aus der Konvention zum Schutz der wandernden Tierarten

Einen an sich schon längst überfälligen Bericht über die Auswirkungen der jagdlichen Verfolgung freilebender Tiere und Ihrer Entnahme für den Verzehr und Handel hat jetzt die, dem Schutz der wandernden Arten verpflichtete, CMS (= Conservation of Migratory Species of Wild Animals) der UN in Bonn vorgelegt. Diese sorgsame, sachkundige Zusammenstellung der Auswertung einschlägiger Publikationen berichtet, dass die Entnahme von Wildtieren zum menschlichen Verbrauch bedeutende Auswirkungen auf die Bestände der meisten landlebenden wandernden Säugetierarten zeitigt. Der als solcher erstmalige Bericht stellt die Situation von 105, der Convention unterfallenden, wandernden terrestrischen Säugetierarten dar. Er zeigt unter anderem auf, dass das Wildtierfleisch eine Schlüsselstellung im Geschehen einnimmt und dass hauptsächlich sowohl die legale als auch illegale Jagd antreibt. Das gilt besonders bezüglich der Huftiere und Primaten und ganz besonders in Konflikten und Hungersnöten und im Zusammenhang mit der Veränderung der Landnutzung. Das alles hat zu drastischen Bestandsverringerungen und zur Ausrottung einiger Arten landlebender wandernder Säugetiere geführt. Der Bericht stellt fest, dass 70% der bejagten terrestrischen CMS – Säugetierarten dem Wildfleisch-Konsum zufallen. Von den 105 im Bericht erfassten Arten waren 67 jagdlich verfolgt, wovon wiederum 47 Arten in den Fleischkonsum Eingang fanden. Andere Nutzungsziele waren kulturellen Inhalts, medizinische Zwecke, Konflikte wegen der Landnutzung durch Menschen und der Trophäenjagd. Die Entnahme für den heimischen Gebrauch des Fleisches ist für die meisten landlebenden CMS-Arten ein größeres Problem als der internationale Handel. Die weltweite Aufmerksamkeit hat sich zwar hauptsächlich auf den internationalen Handel konzentriert. Der Bericht stellte jedoch fest, dass CMS-Arten überwiegend für den für den Verzehr von Wildfleisch oder den Inlandshandel erfolgt. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf internationale und nationale Bemühungen zum Schutz gefährdeter und gefährdeter Arten. Insgesamt wurden 34 von 99 aus der, dort als auf dem Existenzminimum befindlich bewertete Arten, der Roten Liste der IUCN direkt festgestellt. 27 wurden national und 22 international gehandelt. Im Eigenbedarf wurden 27 Arten von 99 konsumiert, Nur 10 Arten gingen in den für den nationalen Wildfleischhandel ein und lediglich zwei Arten in den internationalen Wildfleischhandel.

Der gesamte Bericht ist verzeichnet unter:
https://news.mongabay.com/2021/09/domestic-bushmeat-consumption-an-urgent-threat-to-migratory-mammals-u-n-says/
https://www.cms.int/en/news/taking-animals-domestic-wild-meat-consumption-poses-major-threat-terrestrial-species-protected

Download:
Der Report als PDF-Dokument

Ein gleichartiger Bericht zu den wandernden Vogelarten ist angekündigt. Dem kann man sicher auch mit Spannung entgegensehen und dann auf wirksame Umsetzung in die Praxis der Schutzmaßnahmen hoffen.

29.09.2021, Dr. Eberhard Schneider


“1 in 4 hunters will stop hunting if near-total ban on lead ammunition becomes reality”

1 von 4 Jägern wird auf das Jagen verzichten, wenn ein nahezu vollständiges Verbot der Verwendung von bleihaltiger Munition bei der Jagdausübung umgesetzt wird

Eine jüngst veröffentliche, eigene, Studie der FACE (= Europäische Vereinigung für Jagd und Schutz), dem europäischen Jagd-Dachverband , dem 36 Mitgliedsorganisationen mit rund 7 Million Jägern angehören, kommt zu dem Ergebnis, dass 25% der Jäger überhaupt nicht mehr jagen wollen wenn das Verbot der Verwendung bleihaltiger Jagdmunition im Jagdbetrieb real wird. Insgesamt 30% der Jäger wollen weniger jagen, und etwa 20% der Jäger wollen ihre sonstige, über die Jagd hinausgehende, Schießtätigkeit wie etwa Sportschießen beenden. Insgesamt wollen die vom Verband befragten Jäger, von denen über 18.000 sich in der Erhebung geäußert hatten, sich weniger oft in mit Schießen verbundenen Aktivitäten ergehen.

Es ist sicher nicht das Anliegen jenes Jägerverbandes, anzukündigen, dass in seinen Reihen mehr Raum für den Tier- und Vogelschutz zu erwarten sei. Vielmehr wird das Ziel dieser einflussreichen Lobbyisten sein, auf Politiker und Industrien einzuwirken, das drohende Verbot der Bleimunition abzuwenden. Denn es ergeben sich ja ganz erhebliche Geldbeträge, die dann von den abtrünnigen Schießern nicht mehr verausgabt werden; was die Profite jener schmälert, die bisher an dem unheilvollen Blei und dem Töten der Tiere gut verdienen.

Auch wenn die 25% Jäger ihr Tun einstellen würden, sind wir in EU-Europa zwar noch weit vom Ende der jagdlichen Verfolgung freilebender Tiere entfernt. Aber es lässt hoffen, dass der Jagdverzicht immer mehr Anhänger finden wird und es schließlich zum „guten Ton“ gehören wird, keine freilebenden Vögel und andere Tiere mehr zu verfolgen. Zumindest wird aber nicht nur der Stoffeintrag des hochgiftigen Blei in die Umwelt geringer werden, sondern auch die mit der Jagdausübung unweigerlich verbundene Beeinträchtigung aller freilebenden Tiere durch die Jagdausübung wird bei geringerer Jägerzahl geringer werden.

Wenn statt der insgesamt über sieben Millionen europäischer Jäger „nur noch“ etwa fünf Millionen zur Jagd gehen, wird jedenfalls auch weniger häufig auf Vögel geschossen werden. Und das wird besonders wirksam werden in den Mittelmeerländern, Italien, Frankreich, Spanien, Malta und Griechenland und anderen, wo ja die Zugvögel die heiß begehrten Objekte der Schießer sind, die alljährlich zu den Vogelzugzeiten im Frühjahr und Herbst wahre Massaker unter den Vögeln anrichten.

So bleibt zu erwarten, dass mit der Umsetzung des, zwar im generellen Umweltschutz begründeten, Bleiverbots sich auch eine sehr günstige Auswirkung auf die Vogelwelt ergeben wird. Denn ohne Zweifel haben in den letzten Jahrzehnten mit steigenden Jägerzahlen die schädlichen Auswirkungen der unkontrollierten Jagd auf Vögel erheblich zugenommen.

Es ist ein langer Weg und Fortschritte zur Verringerung der völlig willkürlichen Jagd und des Fangens von Vögeln müssen mühsam errungen werden. Aber jeder kleine Schritt vorwärts hilft der Vogelwelt.

28.09.2021, Dr. Eberhard Schneider


Gute Hoffnung für Wachtel und Turteltaube

The Jerusalem Post, 04.08.2021

Die in Europa brütenden Wachteln und Turteltauben ziehen auf dem Weg in die afrikanischen Überwinterungsgebiete in großen Schwärmen auch über Palästina. Für diese beiden, in den offenen Landschaften Europas an sich als Brutvögel weit verbreiteten, regional aber bereits verschwundenen, Arten wird seit geraumer Zeit ein deutlicher Bestandsrückgang registriert. Als dafür wesentlich ursächlich wird die Lebensraumänderung und Verschlechterung der Lebensbedingungen infolge Intensivierung und Industriealisierung der agrarwirtschaftlichen Nutzung gesehen. Direkt bestandsmindernd wirken aber durch Menschen bedingte Eingriffe, vor allem während des Zuges. In hoher Millionenzahl werden z. B. entlag der ägyptischen Mittelmeerküste vor allem Wachteln in über viele Kilometer hin aufgestellten Netzen gefangen. Aber aber auch die im Mittelmeergebiet bisher hemmungslos ausgeführte jagdliche Tötung durch Abschuss trägt zum Rückgang der Bestände bei. Was natürlich in der anteiligen Auswirkung in den rückläufigen Beständen immner stärker zum Tragen kommt und mittlerweile zur Bestandsbedrohung führt.

Zwar gab es in jüngster Zeit erfreuliche Fortschritte in der Umsetzung des EU-weiten Verbots der Schießjagd und des Fangens der Vögel, wie z.B. auf Malta und in anderen südeuropäischen EU-Mitgliedsstaaten. Jenseits der EU-Außengrenzen bleibt es aber den jeweiligen Staaten belassen, die dringenden Verbesserungen im Vogelschutz wiksam und dauerhaft umzusetzen. Einen Beitrag dazu erbringt hoffentlich die jüngste Entscheidung der in Israel für den Schutz der Umwelt zuständigen Ministerin Tamara Zandberg. Sie hat angekündigt, dass in Umsetzung der Forderung der UN-Konvention über den Schutz der wandernden Tierarten (CMS) ab dem 11. August 2021 in Israel die Wacheln und Turteltauben nicht mehr bejagt werden dürfen.

Das Verbot der Jagd auf Turteltauben, deren dortiger Bestandsrückgang seit ca. 30 Jahren mit mindestens 30% ermittelt wurde, bei zunehmender Tendenz, gilt für zunächst drei Jahre. Für die Wachteljagd gilt das Jagdverbot generell.

Einzig das in Israel nahe an der Ausrottung stehende Chukarhuhn erfuhr bisher solchen Schutz vor Bejagung. Ob nun die etwa 2.000 Inhaber einer isrealischen Jagdlizenz, denen bisher in der jeweils viermonatigen Jagdsaison mehrere hunderttausend dieser Vögel zum Opfer fielen, das Verbot einhalten werden, bleibt abzuwarten.

Jedenfalls, so berichtet die u. a. für die Beendigung der „Vergnügungsjagd“ eintretende Gesellschaft für Naturschutz in Israel, SPNI, werden trotz Jagdverbots von vielen anderen gefährdeten Tierarten, wie die Israelische Gazelle oder Stachelschwein, jährlich mehrere hundert Exemplare von lizensierten Jägern illegal getötet. Wilderer lassen sich ohnehin kaum durch Androhung selbst harter Konsequenzen von der Verfolgung bedrohter Tiere abhalten.

Aber das isrealische Verbot der Jagd auf Turteltauben und Wachteln kann ein erster Schritt sein, der hoffentlich alsbald auch in anderen Nicht-EU-Staaten Platz greift.

06.08.2021, Dr. Eberhard Schneider