Kranichzählung

In bewährter Weise findet unter Mitwirkung zahlreicher passionierter Fachleute vom Kranichschutz Deutschland  und freiwilligen Helfern an jedem Dienstag die „Zählung „ der von den Schlafplätzen abfliegenden Kraniche statt.

Dies läuft nach einem festliegenden Schema ab; dergestalt dass jeweils zwischen 06 Uhr und 10 Uhr festgelegte Beobachtungspunkte im Gebiet um die Schlafplätze (die miteinander kommunizierenden Plätze “Oberes Rhinluch“ bei Linum und „Havelland“ bei Nauen) von den Beobachtern bezogen werden. Sie registrieren in den ihnen zufallenden Sektoren die Anzahl der zu den Nahrungsplätzen abfliegenden  Vögel. Dies geschieht ungeachtet der Wetterlage und sonstiger Störereignisse oder etwa späterem Ausflug vom Schlafplatz nach dem fixen Beobachtungsende.

Bei der nachfolgenden Besprechung wegen  Feststellung der Gesamtzahl aller Beobachtungen erfolgt dann grundsätzlich ein Abzug in Höhe  von 10% des  Zählergebnisses, um etwaige Doppelzählungen oder Überschätzung auszugleichen. Natürlich erfolgt keine Einzelzählung tausender Vögel, sondern eine Schätzung der jeweiligen Truppgrößen durch die darin versierten Beobachter.

In dieser Saison stellt sich das Gesamtbild etwas uneinheitlich dar als gewohnt. Die ersten Kraniche kamen im September erst später als üblich an. Zur Nahrungssuche suchten sie weit verstreut in der Region liegende Flächen auf. Nach den hohen Niederschlägen im Juni/Juli  standen (stehen noch immer) Flächen unter Wasser oder sind so nass, dass die Ernte von Getreide/Mais oder Wiesen  nicht möglich war. So finden sich auf Wiesen und Getreideflächen oder bereits aufwachsender Wntersaat noch immer gute Nahrungsflächen für die Kraniche, die insbesondere auch in den weichen Böden nach Insektenlarven usw. stochern können. In abgelegenen Bereichen wurden wohl auch nach den Niederschlägen verbliebene Blänken sogar als Übernachtungsplätze aufgesucht.

Äußerst unschön und im Sinne des Kranichschutzes nicht hinnehmbar ist die Uneinsichtigkeit mancher „Naturbeobachter“, die meinen, dass sie sich als besonders naturkundige Individualisten gerieren müssen, sich nicht an Wegeabsperrungen halten oder gar versuchen, über offene Flächen sich den Kranichen zu nähern. Die Rücksichtslosigkeit  (die insbesondere auch ortsansässige Agrarier mit Knallapparaten oder durch gezieltes Verscheuchen der Vögel praktizieren) schadet den ja grundsätzlich ruhebedürftigen Vögel. Jede Störung, die  sie mit Flucht und Wegflug quittieren, bedeutet einen  zusätzlichen Energieverbrauch. Dies müssen  sie dann  andernorts durch erhöhte Nahrungsaufnahme kompensieren.

Schließlich  können sie, wenn wegen zu häufigen Flüchtens die Zeit nicht mehr ausreicht hinreichend Futter aufzunehmen,  nicht die nötigen Energiereserven bilden, die sie  für den Weiterflug in die mediterranen Überwinterungsgebiete benötigen.  

Dr. Eberhard Scheider, 27.10.17


Aktuelle Angaben der Naturschutzstation Rhinluch in Linum zu

den in der Region rastenden Kraniche

date

Rhinluch

Havelluch

nombre total

26.09.2017

Min. 20.000

 

Min. 20.000

03.10.2017

48.990

8.190

57.180

10.10.2017

37.510

Min. 3.470

Min. 40.980

17.10.2017

29.850

Min. 7.600

Min. 37.450

24.10.2017

Min. 60.020

Min. 14.380

Min. 74.400

31.10.2017

16.940

Min. 16.270

Min. 33.210

07.11.2017

brouillard / fog Min. 780

Min. 8.150

Min. 8.930

14.11.2017

brouillard / fog

Min. 12.470

Min. 12.470

 



Kranichrastplatz Linum – der Trittstein im Vogelzug

„Uhl“ und Nachtigall

Außergewöhnlich gestaltete sich das jüngste Geschehen um den Kranichrastplatz im Oberen Rhinluch. Zunächst hatten die überaus ergiebigen Niederschläge Ende Juni ihre Folgen gezeitigt:. Nicht nur, dass in der betroffenen Region die zu jenem Termin zumeist noch sehr kleinen und nicht hinreichend befiederten Weißstorchküken Opfer der Nässe wurden.

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Abb. Rauswurf des toten Kükens

Auf den insgesamt 9 besetzten Storchenhorsten in Linum wurden z. B. nur fünf Küken groß. Diese Glücklichen waren schon früh geschlüpft und entsprechend weiter entwickelt und bereits einigermaßen „nässefest“ befiedert.
Es sammelte sich auch weithin das weder versickernde noch abfließende Oberflächenwasser auf den Feldern und Wiesen des Luchs. So waren dann auch jene Grünlandflächen großflächig vom Wasser überstanden, auf denen sich im Frühherbst die großen Scharen des Grauen Kranichs einstellen und dort ihren Schlafplatz finden. Üblicher Weise wird nach der Sommertrockenheit dieser bedeutsame Schlaf- und Rastplatz im Zuge des im Rhinluch praktizierten Kranichschutzes alljährlich bereits zu Beginn des September mit Wasser aus dem Linumer Teichgebiet geflutet, um mit einigen Zentimetern Wasserstand auf der Wiesenfläche diesen Bereich für die Kraniche attraktiv zu gestalten.

Dadurch erfährt das Gebiet eine erhebliche Steigerung der Attraktivität für die Kraniche und eine Steigerung der Übernachtungskapaziät, die ansonsten bei etwa 30.000 Kraniche läge, die in den vom Vogelschutz-Komitee angepachteten großen Teichen im Linumer Teichgebiet ihren Platz finden können. Infolge des seit Juli dort stehenden Regenwassers konnten aber in diesem Jahr die Wiesen des Schlafplatzbereiches nicht wie üblich zur landwirtschaftlichen Nutzung gemäht werden. Der Vegetation kam dies zu Gute, sicher auch der Insektenfauna und manchem Vogel. Die aus der heutigen Mähpraxis resultierenden Zerstörungen blieben aus, bei der innerhalb kürzester Zeit auf sehr großer Fläche eine massive sowohl strukturelle als auch qualitative Habitatveränderung erfolgt.

Doch in Erwartung des Eintreffens der Kraniche kam die Besorgnis auf, dass wegen des weithin mehr als mannshoch stehenden Bewuchses diese Gastvögel den Platz diesmal meiden könnten und andernorts nach ihren Bedürfnissen gerecht werdenden Übernachtungstätten zu suchen hätten.
Was, zumindest für manchen der örtlichen Kranichschützer, einen schwerwiegenden Verlust bedeutet hätte. Da keine Möglichkeiten zur Abhilfe zur Verfügung standen und der Agrarbetrieb mit seinen für das wassergesättigte Gelände ungeeigneten Großmaschinen keinerlei Mahd ausführen konnte, sprang das Vogelschutz-Komitee ein. Nach Abwägung wegen der uns allein daraus zufallenden Kosten und des  Für und Wider in der Entscheidung über die mögliche Meidung des hohen Bewuchses durch die Kraniche entschieden wir uns, durch unseren örtlichen Kooperationspartner mit dessen für nasse Bodenverhältnisse geeigneten Technik, das Areal mulchen zu lassen und somit den hohen Bewuchs zu beseitigen. 


Abb. 1 – 3: Der große Schlafplatz im Rhinluch steht nach dem Mulchen den Kranichen zur Verfügung.  

Die bereits seit Ende September dort übernachtenden Kraniche lassen erkennen, dass diese Entscheidung nicht in´s Leere ging und dazu beigetragen hat. So war es dann  auch in diesem Jahr wieder tausenden von Besuchern vergönnt, die Kraniche beim abendlichen Einflug in den großen Schlafplatz zu beobachten oder sie überhaupt in der Region wie gewohnt erleben zu können.


Abb. Kraniche - Bilder von E. Bitterle

Aber nicht nur die, im Rhinluch leider oftmals sehr einseitig bevorzugten, Kraniche haben ihre Förderung durch diese Naturschutzmaßnahme erfahren. Es haben auch zahlreiche andere Vogel Arten daraus Gutes bezogen. Nicht ganz unerwartet sind nämlich unter anderem zahlreiche Limikolen im Gebiet aufgetaucht. Sie finden ganz so wie ehedem, vor der Melioration des Luchs vor gut 50 Jahren, auf den nassen Flächen ein hervorragendes Nahrungshabitat vor.

So berichtet K.-H. Sass, der dort sogar bis zu ca. 150 Exemplare verschiedener  Arten der Schnepfenvögel dort beobachtet hat, nicht nur von zahlreichen Kiebitzen; sondern auch von,zahlreichen Bruch- und Waldwasserläufern, Grünschenkeln und Großem Brachvogel. Im aktuellen Vogelzuggeschehen suchen auch die Limikolen dieses, nun durch das Wasser  bestimmte Habitat als Nahrungs- und Rastplatz auf. Dies unterstreicht einmal mehr die große Bedeutung des Rhinluchs als „Trittstein“ im Vogelzug.

Wenngleich die ergiebigen Niederschläge für die jungen Weißstörche leidvoll waren, haben sie in der Folge nicht nur für die Störche ein reicheres Nahrungsangebot gezeitigt. Sie haben in der Fläche eine den ursprünglichen natürlichen Verhältnissen Gesamtsituation bewirkt, die dann schließlich den durchziehenden Limikolen das Verweilen, Rast und Nahrungsangebot ermöglicht; so wie auch die Kraniche auf nicht abgeernteten Getreide- und Maisfeldern oder Wiesen eine gute Nahrungsversorgung erfahren haben.   

Dr. E.Schneider



Kraniche in der Umgebung von Linum

Liebe Kranichfreunde.
Der Zug der Kraniche in die Brutgebiete zeigte sich in den letzten Tagen des Februar bei Hochdruckwetterlage selbst für Laien als besonderes Ereignis aus. Die Windrichtung aus SW bei guter Sicht mit ausreichend Sonnenschein sorgte für hervorragende Zugbedienungen, die mit dem Sturmtief abrupt beendet worden sind.
Am gestrigen 1. März haben wir uns den gesamten Tag auf der Suche nach Kraniche auf den Weg gemacht, die den Massenzug bedingt durch das über uns liegende Tiefdruckgebiet in unserem Gebiet abgebrochen haben. Dabei stellten wir fest dass fast alle bekannten Brutplätze besetzt sind. In der Umgebung der Autobahn A10 Berliner Ring fanden wir die erste größere Gruppe mit 370 Kranichen auf im Herbst nur mit einer Scheibenegge bearbeitet wurde. Vermutlich finden die Vögel in der verrotteten Wurzel reichlich Nahrung. Bei genauerer Untersuchung der Wurzel stellt sich heraus, dass fast in jedem Stoppel der aus der Erde ragt ein Regenwurm zu finden ist.

Die nächste größere Ansammlung mit 250 Kranichen sind bereits einige Tage zwischen Gehrenberg und dem Ortseingang von Linum zu finden. An der Kuhhorsterstraße wurde gerade das Futter für dieRinder ausgebracht. Dort befanden sich bei dauernden AN und Abflügen180 Kraniche, die sich das Silage Futter mit den Rindern teilen. An der nächsten Stelle südlich und nördlich vom Mittelweg befanden sich nach Schätzung 1500 bis 2000 Kraniche auf Grünland oder umgebrochenen Maisstoppel. Östlich der Straße Betzin Jahnberge wurde mit 2 Traktoren gepflügt. Grob geschätzt begleiteten 2000 Kraniche die Traktoren um sofort hinter den angehängten Scheibeneggen Nahrung aufzunehmen. Insgesamt haben wir mit 3 Spektiven ausgerüstet keinen Ringvogel gefunden. Zurzeit haben wir in Brandenburg einen durch das Wetter bedingten Zugstau.

Anzumerken ist, dass die Vögel sehr große Zugunruhe in sich haben und auf jede Störung reagieren. Das trifft jedoch nicht für die Kraniche zu, die bereits einige Tage direkt östlich vor Linum verweilen. Das so glaube ich, ist bereits der Stamm der Vögel, die bei uns als Übersommerer bleiben werden. Übernommener werden die noch nicht geschlechtsreifen Nichtbrüter und Junggesellen genannt. Die Anzahl von Übersommerern die in den vergangenen 10 Jahren in Linum verweilten,schwankt zwischen 280  und 600 Exemplaren. Aus dieser Gruppe die den Schlafplatz am Birkhühnerdamm nutzt, gehen dann 30 bis 70 Kraniche  hervor, die die Ruhe zur Schwingmauser brauchen. Die Vögel sind dann bis zu 5 Wochen Flugunfähig und dürfen nicht gestört werden.      

Best greetings

Kranichekke


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