Vogelschutz-Komitee Naturstiftung Jetzt helfen
Vogel an der Leimrute

Zypern – Kampf gegen Vogelmord

Damit die Mönchsgrasmücke nicht an der Leimrute stirbt.

Auf Zypern werden Zugvögel bis heute mit Leimruten, Netzen und Lockruf-Anlagen zu Zehntausenden gefangen und als „Delikatesse“ verkauft. Rotkehlchen, Schwarzkehlchen, Mönchsgrasmücken, Bienenfresser – gefangen auf dem Weg in ihre Winterquartiere. Das Vogelschutz-Komitee ist seit über zwanzig Jahren vor Ort und hat die Wilderei um 99 % zurückgedrängt. Nun gilt es, auch noch den letzten Rest zu beseitigen und die Rückkehr des Vogelmords zu verhindern.

Was auf Zypern für die Vogelwelt auf dem Spiel steht

Zypern liegt auf einer der großen Zugrouten zwischen Europa und Afrika. Alljährlich landen viele Millionen Zugvögel auf der Insel, um auf ihrer Reise zu rasten oder dort zu überwintern. Das nutzen die Wilderer mit ihren Fallen kaltherzig aus: die Vögel landen auf mit Leim bestrichenen Ästen und bleiben kleben oder verheddern sich in Fangnetzen. Teilweise werden sie dafür sogar von Lautsprecher-Anlagen geködert, die Lockrufe von Artgenossen abspielen.

  • seit 2001Einsatz gegen den
    Vogelmord auf Zypern
  • 99 %Rückgang der Wilderei
  • >30.000entfernte Leimruten
    (kumuliert)

Getötet wird nicht etwa aus Not, sondern aus Profitgier: Die kleine Mönchsgrasmücke gilt als „Kaviar Zyperns“, eine Portion der auf dem Schwarzmarkt als Delikatesse gehandelten „Ambelopoulia“ („Vögel aus dem Weinberg“) besteht aus 48 Vogelleichen. An den Fallen enden aber auch Rotkehlchen, Grasmücken, Laubsänger, Pirole, Bienenfresser, Zwergohreulen und sogar Mäusebussarde. Fang, Besitz und Verkauf sind nach zyprischem Recht und der EU-Vogelschutzrichtlinie streng verboten.

Der große Erfolg – Jahr für Jahr zurückgedrängt

Von der Hochphase mit rund 6.000 Leimruten pro Saison bis fast auf null – so hat sich der Vogelfang unter dem Druck unserer Einsätze und der zyprischen Behörden entwickelt:

  • Anfang der 2000er – Hochphase: In einer Saison wurden rund 6.000 Leimruten und bis zu 120 große Netze samt Lautsprecher-Anlagen unschädlich gemacht. Der Massenfang war Alltag.
  • 2012 – die Wende beginnt: Laut Forstpolizei setzt ein spürbarer Rückgang der Wildereifälle ein. Der jahrelange Druck zeigt Wirkung.
  • 2014 – Der Hexakopter kommt: Erster Einsatz des kamerabestückten Hexakopters (Drohne) im Dezember 2014 – Fangplätze lassen sich nun aus der Luft aufspüren. Die Zahl der Fallen ist schon deutlich zurückgegangen, nur etwa 500 Leimruten werden in diesem Jahr noch gefunden.
  • 2015/16 – rund 90 % Rückgang: Statt etwa 6.000 werden nur noch knapp 600 Leimruten pro Jahr gefunden – die Wilderei ist auf etwa 10 % ihres früheren Ausmaßes geschrumpft. Kumuliert wurden 30.000 Leimruten beseitigt.
  • 2017 – Gesetzesverschärfung wirkt: Zypern erhöht die Geldstrafen auf bis zu 25.000 Euro. Die Forstpolizei und das Vogelschutz-Komitee schätzen die Wilderei nun auf unter 5 % des früheren Niveaus.
  • 2019 – unter 2 %: Bei den September-Kontrollen werden keine aktiven Fangplätze mehr entdeckt. Die Wilderei liegt bei weniger als 2 % dessen, was rund 16 Jahre zuvor herrschte.
  • 2024 – nur noch etwa 1 %: Nach Schätzungen der Forstpolizei macht die Wilderei kaum noch 1 % von früher aus. Ende 2023 wurden erneut keine aktiven Fangplätze gefunden. Ein historischer Tiefstand.
Ehrlich bleiben: Ganz verschwunden ist der Fang nicht. Besonders das „Niemandsland“ entlang der Grenze zum türkischen Nordteil bleibt ein Problem: Dort dürfen die zyprischen Polizisten nicht tätig werden, und die Wilderer richten Plätze so her, dass „innerhalb kurzer Zeit erneut Netze aufgestellt werden könnten“. Es ist wie mit Glut in einem Aschehaufen – ein Fünkchen genügt, damit das Feuer neu auflodert.– Dr. Eberhard Schneider, Brief an Unterstützende 2020

Die Rolle des Vogelschutz-Komitees

Aktive des Vogelschutz-Komitees im Einsatz auf Zypern

Das Vogelschutz-Komitee engagiert sich seit Anfang der 2000er Jahre auf Zypern – damit ist dieser Auslandseinsatz unser ältester. In kleinen Teams, oft getarnt als Touristen und mit wechselnden Fahrzeugen und Unterkünften, arbeiten wir nach einem bewährten Drei-Schritte-System:

1. Vögel befreien

– gefangene Tiere aus Netzen lösen, das verklebte Gefieder reinigen und wieder freilassen.

2. Fallen zerstören

– Netze zerschneiden, Leimruten im Sand wälzen und zerbrechen, Lockruf-Anlagen unschädlich machen.

3. Behörden einschalten

– Fangplätze per GPS dokumentieren, Täter anzeigen und in enger Zusammenarbeit mit der zyprischen Forstpolizei Razzien anstoßen.

Dazu kommen moderne Mittel: Wildkameras und eine Drohne spüren versteckte Fangplätze auf, örtliche Informanten liefern Hinweise. Schon die bloße Anwesenheit im Gelände wirkt – „die Straftäter sind verunsichert und zurückhaltend“. Ein zyprischer Polizist brachte es auf den Punkt: „Ihr müsstet das ganze Jahr über hier sein und uns helfen, dann beenden wir das Vogelmorden alsbald.“