Vogelschutz-Komitee Naturstiftung Jetzt helfen
Rufender Kranich

Rhinluch / Linum (Brandenburg)

Kranich-Rastplatz und großer Biotopverbund

Jeden Herbst rasten im Oberen Rhinluch bei Linum bis zu 120.000 Kraniche – einer der größten Kranich-Rastplätze Mitteleuropas. Rund um das Teichland Linum hat das Vogelschutz-Komitee über mehr als 20 Jahre einen zusammenhängenden Biotopverbund von über 650 Hektar aufgebaut: Wiesen und Moore werden Stück für Stück gekauft, den Vögeln zurückgegeben und trockengelegte Flächen wieder vernässt. Jeder Quadratmeter zählt.

Bedeutung für die Vogelwelt

Das Obere Rhinluch nördlich von Berlin gehört zu den bedeutendsten Feuchtgebieten Mitteleuropas. Rund um das Teichland Linum sammeln sich auf dem Herbstzug Kraniche aus dem Norden und Nordosten Europas – mitunter bis zu 120.000 Tiere gleichzeitig. In der Volkskunde gilt der Kranich als „Vogel des Glücks“; in Linum findet er einen der wenigen Plätze, an dem er ungestört rasten und Kraft für den Weiterflug tanken kann. Auch nordische Bless- und Saatgänse überwintern hier zu Tausenden.

Zwischen den Teichen und Feuchtwiesen leben Wiesenvögel, die anderswo längst verschwunden sind: der Kiebitz, der Große Brachvogel, das Braunkehlchen, dazu Feldlerche, Wachtelkönig, Bekassine und die seltene Sperbergrasmücke. Von Kiebitz, Braunkehlchen und Rebhuhn ist regional nur noch etwa ein Drittel des einstigen Bestands übrig.

Und das Rhinluch schützt mehr als Vögel: Sein Moorboden ist – solange er intakt ist – der wirksamste natürliche Speicher für das klimabelastende CO₂. Moore bedecken nur rund 3 % der Landfläche, sind aber der größte Kohlenstoffspeicher an Land. Trockengelegt geben sie das gespeicherte CO₂ frei, deshalb ist ihre Wiedervernässung zugleich Vogelschutz und Klimaschutz.

  • 120.000Kraniche zur Herbstrast
    (Rekord)
  • >650Hektar gesichert
    (Eigentum + Pacht)
  • seit 2004Flächensicherung im
    Rhinluch

Entwicklung des Projekts

Aus einer einzelnen Wiese ist über mehr als 20 Jahre ein zusammenhängendes Netz aus Teichland, Feuchtwiesen und Wäldern geworden – der „Biotopverbund Rhinluch“.

  • 2004 – erste eigene Flächen: Das Vogelschutz-Komitee pachtet bei Linum die ersten 180 ha des über 300 Hektar großen Teichgebietes.
  • 2009 – erster Landkauf: Das Vogelschutz-Komitee kauft 10 ha Pufferzone (rund 22.500 Euro). Leitmotiv: „Grundstückskauf ist der beste Vogelschutz.“
  • 2010 – Alte Rhinschleuse: Ankauf von 25 ha Wiesen und Bruchwald (rund 90.000 Euro). Der Bestand wächst auf knapp 195 ha (Eigentum und Pacht).
  • 2012 – Tarmower Wäldchen: Kauf von rund 30 ha (59.450 Euro) als „Verbindungsader“ zwischen den Teilgebieten.
  • 2013 – Großprojekt Rhinbogen: 60 ha Grünland entlang des Rhin für über 320.000 Euro – das größte Einzelprojekt der Frühphase, rund 100.000 € davon aus Spenden.
  • 2014 – Zietenhorst: Ringen um eine 165-ha-BVVG-Ausschreibung; wir sichern mit Partnern die entscheidenden Wiesen für die Wiesenvögel.
  • 2017 – Kranich-„Kükenstube“: Ankauf von rund 1 ha plus über 2 ha Wiesen direkt am Brutrevier eines Kranichpaares (rund 45.000 Euro).
  • 2019 – Wiedervernässung beginnt: Brandenburg erlässt seine Moorschutz-Richtlinie. Das Vogelschutz-Komitee beteiligt sich mit 30.000 € an einer 240.000-Euro-Moorraupe (80 % gefördert) und finanziert die Wasserrückhaltung mit – für Feldlerche, Kiebitz und Brachvogel.
  • 2019 – Biotopverbund über 650 ha: Der Gesamtbestand erreicht mit über 650 Hektar seinen Höchststand. Größter Einzelkauf: über 21 ha in Flatow (über 350.000 Euro), gerettet vor einem Immobilien-Investor.
  • 2023 – Kremmener Luch: Ankauf von rund 10 ha Feuchtgrünland für das Braunkehlchen.
  • 2025 – Flatow (Stieglitz): Sicherung weiterer Mähweiden als Vogelparadies – der Biotopverbund wächst weiter.

Zum Verbund gehört auch: Dechtow
(Feldvogelhilfe durch Rekonstruktion)

Bei Dechtow, unweit von Fehrbellin, lag über Jahrzehnte eine ausgeräumte Agrarlandschaft. 2017 erwarb das Vogelschutz-Komitee dort drei Parzellen mit zusammen 3,3 ha und begann, die vogellose Feldflur mit Hecken aus Vogelnährgehölzen, Obstbäumen, Blühstreifen und Feldrainen zu rekonstruieren. 2018 kamen rund 5 weitere Hektar hinzu. Heute ist Dechtow ein wichtiger Baustein im großen Biotopverbund des Oberen Rhinluchs.

Blühende Hecke aus Vogelnährgehölzen bei Dechtow

Die Rolle des Vogelschutz-Komitees

Wir setzen im Rhinluch auf einen einfachen, aber wirkungsvollen Grundsatz: Land, das uns gehört oder das wir pachten, ist dauerhaft für die Vögel gesichert. Wo unser Verein nicht sofort kaufen kann, sichern wir über Pachtverträge mit Vorkaufsrecht den späteren Erwerb – und üben dieses Recht aus, wenn ein Grundstück sonst an Investoren zu gehen droht.

Flächen kaufen und sichern

Ankauf und Pacht von über 650 ha Wiesen, Mooren und Wäldern; Vorkaufsrecht statt Bodenspekulation.

Wiedervernässung

Entwässerungsgräben werden mit Sohlschwellen und Stauanlagen abflusshemmend umgebaut – Moor und Kranich-Rastplätze kehren zurück.

Moorraupe im Einsatz

Eine schonende Spezialmaschine pflegt die nassen Wiesen, wo schwere Agrartechnik versinken würde.

Extensive Pflege

Mahd erst ab Ende Juli – nach der Brutzeit; Abtransport des Mähguts statt Silage; Waldgebiete bleiben unberührt.

„Wir besitzen und pachten im Rhinluch insgesamt über 650 Hektar Wiesen- und Waldfläche! Die Waldgebiete lassen wir unberührt … auf den Grünflächen betreiben wir nur extensive Bewirtschaftung.“– Dr. Eberhard Schneider, Brief an Unterstützende 2020

Getragen wird die Arbeit von engagierten Menschen vor Ort: Karl-Heinz Sass beobachtet und fotografiert die Vögel seit Jahren, Ingo Warmt dokumentiert unter anderem die Kranichbruten am Unkenteich, und Kooperationspartner Sebastian Petri übernimmt mit der Moorraupe die naturschonende Pflege der nassen Flächen.

Moorraupe bei der Feuchtwiesenmahd
Foto: Moorraupe bei der Feuchtwiesenmahd im Linumer Teichgebiet