Vogelschutz-Komitee Naturstiftung Jetzt helfen
Wiedehopf auf einem bemoosten Pfahl

Mittlerer Oberrhein – Ortenau und Renchtal (Baden-Württemberg)

„Der Wiedehopf, der schenkt der Braut ’nen Blumentopf“ – schenken Sie ihm ein Zuhause!

Zwischen Schwarzwald und Oberrhein ist der Wiedehopf bisher noch selten. Weil es an alten Obstbäumen mit Bruthöhlen fehlt, leidet der „Hoppevogel“ unter echter Wohnungsnot. Das Vogelschutz-Komitee bringt im Renchtal Nisthilfen aus, baut Schwalbenhäuser und kauft Wiesen zurück. Es wirkt: Aus den ersten Nisthilfen flogen bereits über zwei Dutzend junge Wiedehopfe aus. Doch das reicht noch nicht!

Bedeutung für die Vogelwelt

Das Renchtal in der Ortenau ist eine Wärmeinsel am Rand des Oberrheingrabens. Langsam fassen hier wärmeliebende Arten wie Wiedehopf und Bienenfresser wieder Fuß. Möglich ist das vor allem durch ein breites Angebot an Nisthilfen. Denn für Höhlenbrüter ist das Verschwinden der klassischen Obstbaumwiesen mit hohlen Altbäumen besonders bitter: Es fehlt an Brutplätzen.

  • ~6 hagesicherte Flächen
  • >24ausgeflogene junge Wiedehopfe
  • 35+ausgebrachte
    Wiedehopf-Nisthilfen
  • 2×54Nester in zwei Schwalbenhäusern

Der Druck bleibt hoch. Nach der Roten Liste sind über 30 % unserer Vogelarten bereits gefährdet oder vom Aussterben bedroht, die Hälfte aller Arten ist stark rückläufig. Feuchtwiesen werden zu Äckern, Streuobstwiesen zu „Plastiktunnel“-Kulturen. Der Kiebitz, Vogel des Jahres 2024, ist im Renchtal seit Anfang der 1990er Jahre nahezu ausgestorben; auch Steinkauz und Mehlschwalbe verlieren ihre angestammten Nistplätze. Hier setzen wir an: mit Nisthilfen, mit dem Rückkauf von Flächen und mit ihrer naturnahen Entwicklung.

Wiedehopf und Steinkauz

Höhlenbrüter, die auf alte Obstbäume und Nisthilfen angewiesen sind. Wo Höhlen fehlen, herrscht „Wohnungsnot“.

Mehlschwalbe

Streng geschützt und zunehmend gefährdet: glatte Fassaden und fehlender Lehm nehmen ihr die Nistmöglichkeiten.

Bienenfresser

Farbenprächtiger Rückkehrer aus dem Süden. Er gräbt bis zu 1,5 m lange Brutröhren in offene Steilkanten.

Kiebitz

Wiesenvogel der feuchten Fluren. Aus den intensiv genutzten Agrarlandschaften des Renchtals ist er fast verschwunden.

Streuobstwiese im Renchtal
Schonende Pflege unserer Streuobstwiesen im Renchtal.

Entwicklung des Projekts

  • 2021 – Achern: Ankauf von drei Flurstücken (gut 7.000 m²) terrassierten Geländes für den zurückkehrenden Bienenfresser – 28.000 Euro zum „Freundschaftspreis“ von 4,00 €/m², dazu Brutröhren-Steilkanten und Blühstreifen.
  • 2022 – Wiedehopf, Vogel des Jahres: Start des Nisthilfen-Programms in Obstbaumwiesen um Oberkirch, Renchen, Appenweier, Achern und Kenzingen: mindestens 35 Nistkästen und 75 künftige Brutbäume, betreut mit dem Vogelexperten Manfred Weber.
  • Ende 2022 – erste Erfolge: Die Nisthilfen waren fast alle besetzt. Über zwei Dutzend junge Wiedehopfe flogen aus. Geplant: 30–35 weitere Nisthilfen und die Pacht mehrerer Wiesen.
  • Februar 2024 – Kiebitzwiese Offenburg: Ankauf einer gut 2.000 m² großen Feuchtwiese im EU-Vogelschutzgebiet Kammbachniederung für den Kiebitz (Vogel des Jahres 2024) – 2,70 €/m², rund 5.400 Euro.
  • April 2024 – Schwalbenhäuser Renchen: Bau von zwei freistehenden Schwalbenhäusern mit je 54 Kunstnestern für die Mehlschwalbe, unterstützt von der Gemeinde Renchen – Gesamtkosten 26.000 Euro.
  • Juli 2024 – Streuobstwiese Zusenhofen: Kauf einer 4.996 m² großen Streuobstwiese mit Scheune (Steinkauz, Turmfalke, Schleiereule) zum Bodenrichtwert von 5 Euro/m².
  • Dezember 2024 – die „Kiebitzinsel“: Ein 4.000 m² großer Maisacker am Stangenbach bei Oberkirch soll in Wiese zurückverwandelt werden.

Aus einzelnen Nisthilfen ist so ein zusammenhängender Verbund aus geschützten Wiesen, Streuobstflächen und Nisttürmen im Renchtal und der Kammbachniederung geworden.

Die Rolle des Vogelschutz-Komitees

Im Renchtal arbeiten wir eng mit Menschen vor Ort zusammen. Unser Kollege Frank Pluschke betreut die Obstbaumwiesen der Region, erhält Kaufangebote aus erster Hand und begleitet jede Maßnahme im Gelände. Der langjährig verbundene Vogelkundler Christoph Münch dokumentiert den Vogelbestand der Kammbachniederung. Seine Beobachtungen reichen beim Großen Brachvogel bis 1969 zurück und belegen dort einen Rückgang um mehr als 75 %. Auf diesem Fundament aus lokaler Kenntnis setzen wir vier Hebel an:

Flächen kaufen und zurückverwandeln

Wir erwerben Wiesen, Streuobstflächen und ehemalige Äcker, etwa die Kiebitzwiese bei Offenburg oder die Streuobstwiese in Zusenhofen, und sichern sie dauerhaft. Kaufen statt nur appellieren: Fläche in unserer Hand heißt Schutz für immer.

Schwalben-Nisttürme

Für die Mehlschwalbe haben wir bei Renchen zwei freistehende Schwalbenhäuser errichtet – künstliche Nisttürme mit je 54 Kunstnestern, die einer ganzen Kolonie eine konfliktfreie Heimstatt bieten.

Lebensraum entwickeln

Extensive Beweidung, Blühstreifen, Brutröhren-Steilkanten und die Rückumwandlung von Maisäckern in Feuchtwiesen machen aus geretteten Flächen echte Vogelparadiese.

Nisthilfen für Höhlenbrüter

Wo alte Bruthöhlen fehlen, bringen wir speziell an den Wiedehopf angepasste Nisthilfen aus und pflanzen künftige Höhlenbäume. Betreuung und jährliche Reinigung übernimmt der Nistkasten-Experte Manfred Weber.

Nisthilfen in einer Streuobstwiese
Wir haben bereits einige Nisthilfen in einer Streuobstwiese im Renchtal angebracht.