Vogelschutz-Komitee Naturstiftung Jetzt helfen

Fläming / Belzig (Brandenburg)

Der schwerste flugfähige Vogel Europas braucht Ihre Hilfe!

Rund um Belzig, in den Belziger Landschaftswiesen und im weiten Hohen Fläming, lebt einer der seltensten Vögel unserer Kulturlandschaft: die Großtrappe. Sie ist mit bis zu 17 Kilogramm der schwerste flugfähige Vogel Europas. Von ihr existieren in Deutschland nur noch rund 300 Tiere. Ganz in der Nähe: die am Boden brütende Wiesenweihe. Helfen Sie mit, ihren Lebensraum zu sichern.

Bedeutung für die Vogelwelt

Die offene Kulturlandschaft rund um die Belziger Landschaftswiesen und den weiten Hohen Fläming, zwischen Jüterbog und Wittenberg, ist Heimat für Vögel, die es in Deutschland kaum noch gibt. Zwei von ihnen stehen hier stellvertretend für den Reichtum und die Bedrohung dieser Landschaft: die Großtrappe und die Wiesenweihe. Beide sind darauf angewiesen, dass ihre Brutplätze offen gehalten und vor Störung und Ernte geschützt werden.

  • ~150Großtrappen in Brandenburg
    (~300 deutschlandweit)
  • bis zu 17 kgGroßtrappe ist schwerster flugfähiger Vogel Europas
  • 124erfolgreiche Weihenbruten seit 2010 (Fläming)
  • >4.300 haNaturschutzgebiet

Die Großtrappe: der „Märkische Strauß“

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg lebten in Deutschland noch etwa 4.000 Großtrappen. In Polen erlosch das Vorkommen 1987. Um die Jahrtausendwende war der Bestand in den drei letzten deutschen Einstandsgebieten, Belziger Landschaftswiesen, Havelländisches Luch und Fiener Bruch, auf weniger als 60 Vögel geschmolzen; in ganz Deutschland zählte man in den 1990er-Jahren zeitweise weniger als 100 Tiere. Heute leben wieder rund 300 Großtrappen in Deutschland, etwa die Hälfte davon in Brandenburg. Ein Bestand von 300 Vögeln bleibt jedoch eine kritische Größe, bei der genetische Verarmung droht. Als sogenannte Schirmart steht die Großtrappe stellvertretend für eine ganze Lebensgemeinschaft: Wo ihr Lebensraum gesichert wird, profitieren zugleich Kiebitz, Brachvogel, Bekassine, Wachtelkönig, Grauammer und Feldlerche sowie viele weitere bedrohte Wiesenvögel.

Die Wiesenweihe: das Nest im Kornfeld

Die Wiesenweihe ist ein schlanker, eleganter Greifvogel der offenen Feldlandschaft. Mit rund einem Meter Flügelspannweite gleitet sie im niedrigen Suchflug über Äcker und Wiesen auf der Jagd nach Feldmäusen und großen Insekten. Infolge der intensiven Landwirtschaft ist ihr Bestand deutlich zurückgegangen. Die ohnehin seltene Art gehört heute zu den am stärksten gefährdeten Brutvögeln der Agrarlandschaft. Anders als andere Greifvögel ist sie ein Bodenbrüter: Sie legt ihr Gelege direkt in dichte Getreide- oder Grasbestände. Das wird ihr zum Verhängnis, denn ihre Jungen werden erst um Mitte Juli flügge, also genau zur Zeit der Getreideernte.

Die Mahd-Gefahr: Zur Erntezeit sitzen die noch flugunfähigen Küken im reifen Korn. Ohne Kenntnis des Neststandortes und ohne ausgesparte Fläche überrollt der Mähdrescher Gelege und Jungvögel. Der Schutz des einzelnen Nestes entscheidet deshalb über den Bruterfolg.
Wiesenweihen-Weibchen im Anflug auf das Nest
Wiesenweihen-Weibchen mit Nistmaterial im Anflug auf das geschützte Nest. Foto: H. Henderkes/VsK

Entwicklung des Projekts

  • seit 2010 – Fläming, Nesterschutz für die Wiesenweihe: Im Raum des Hohen Fläming suchen die ehrenamtlichen Vogelschützer Helmut Brücher und Antje Drangusch die Weihenbruten in den Feldern auf und sichern sie. Rund um ein besetztes Nest wird ein etwa einen Meter hohes, zwei Quadratmeter messendes Nestschutzgatter aufgestellt; in Verabredung mit dem Landwirt wird zusätzlich eine etwa 50 × 50 Meter große „Restfläche“ markiert und bei der Ernte ausgespart. Für jedes erfolgreiche Nest erhalten die Landwirte von der Vogelschutzwarte Brandenburg eine Prämie von 250 Euro. So waren seit 2010 mindestens 124 Weihenbruten erfolgreich und brachten 217 flügge gewordene Junge hervor.
  • 2021 – Belziger Landschaftswiesen, freie Bahn für die Trappe: Unsere erste Großtrappen-Kampagne. Mehrere Kilometer lange Gehölzstreifen aus gebietsfremden Hybridpappeln werden entnommen, denn für die schweren, schlecht manövrierfähigen Vögel sind sie tödliche Barrieren. Das Vogelschutz-Komitee trägt die Eigenleistung von rund 155.000 Euro zu einem zu 80 % geförderten Vorhaben von rund 775.000 Euro bei, ergänzt um die Renaturierung der Flämingbäche.
  • 2022 – Fläming, öffentliche Unterstützung: Das Vogelschutz-Komitee macht den ehrenamtlich getragenen Wiesenweihen-Nesterschutz mit seinem ersten Mailing zum Projekt öffentlich sichtbar und hilft den Helfern bei der Ausstattung.
  • 2023 – Belziger Landschaftswiesen, Wiesen für den Brachvogel: Ankauf von gut 9 Hektar Wiesen zum Preis von knapp 1,10 Euro pro Quadratmeter. Als Eigentümer können wir selbst bestimmen, wann gemäht wird, damit die Bruten von Brachvogel, Kiebitz und weiteren Wiesenvögeln gelingen.
  • 2026 – Belziger Landschaftswiesen, dauerhaft sichern: Der Großtrappen-Bestand ist mit rund 300 Tieren erholt, aber noch nicht über den Berg. Das Vogelschutz-Komitee sichert und pflegt weiter Flächen für die Großtrappe und für die gesamte Wiesenvogelwelt.

Aus einzelnen Maßnahmen ist rund um Belzig ein dauerhaftes Engagement geworden: Nester schützen, Flächen kaufen, offen halten, insektenreich pflegen, Jahr für Jahr, damit die Küken in jedem Frühsommer eine Chance haben.

Die Rolle des Vogelschutz-Komitees

Unser Grundsatz lautet: Grundstückskauf ist der beste Vogelschutz. Nur wer die Flächen besitzt, kann über Mahdzeitpunkt, Wasserstand und Gehölze entscheiden, und damit über den Bruterfolg. In den Belziger Landschaftswiesen sicherten wir 2023 gut 9 Hektar bisher intensiv genutzter Wiesen. Sie werden extensiv und trappengerecht bewirtschaftet. Hinzu kommt die Habitatpflege: Entnahme trappenfeindlicher Hybridpappel-Gehölzstreifen, Renaturierung der Flämingbäche und die Offenhaltung insektenreicher Wiesen. Denn frisch geschlüpfte Großtrappen-Küken sind in ihren ersten Lebenstagen vollständig auf Insekten angewiesen. Wo Insekten fehlen, verhungern die Jungen innerhalb weniger Tage.

Großtrappe mit Küken in der Wiese
Großtrappe mit Küken in den Belziger Landschaftswiesen. Foto: D. Nill/VsK

Im Hohen Fläming unterstützen wir das ehrenamtlich getragene Wiesenweihen-Projekt. Die Helfer erbringen in den knapp vier Monaten der Brutzeit einen enormen persönlichen Einsatz. Sie sind bis zu 900 Stunden im Gelände, dazu kommen über 15.000 Kilometer mit dem Auto und mehr als 1.500 Kilometer mit dem Fahrrad. Das Vogelschutz-Komitee hilft bei der Ausstattung: mit Ferngläsern mit Entfernungsmesser, mit denen sich Neststandorte auf Distanz und ohne Störung bestimmen lassen, mit Material für die Nestschutzgatter und Aufzuchtfutter für schwächere Küken, die von Hand aufgepäppelt und dann behutsam in fremde Nester gesetzt werden.

Helmut Brücher am Nestschutzgatter
Vogelexperte Helmut Brücher kontrolliert ein geschütztes Nest. Foto: A. Drangusch/VsK